Literaturblog
In: krimis
10 Mai 2009Ein Roman. Ein Krimi. Ein Roman. Ein philosophischer Krimi?
Die Handlung plätschert. Jorgensen, Kriminalassistent aus Kopenhagen, wird für ein Jahr auf die Insel Lilleo versetzt, Programm der Regierung, alle Städter sollen mal ihr soziologisches Wissen erweitern.
Da sitzt er nun und sucht sich Aufgaben. Ein bißchen Landesgeschichte, etwas Politik, einen Schuß Schauermärchen und Mythen, ein paar Freaks, eine Gruppe fanatisch religiös Irregeführter, ein Polizeiarchiv, dass es zu sortieren gilt, ja und die jorgensensche, sprich die prechtsche, Betrachtungsweise dieser Themen.
Einen Fall gibt es nicht. Es gibt nur Einfälle des Kriminalassistenten. Man ist schon glücklich, dass es zu überhaupt einem dramatischen Höhepunkt kommt, der sich am roten Faden entlangspult. Jorgensen baut über Seiten immer wieder mal an einer Art Taucherglocke, die zum Schluß ihren Einsatz in der sagenumwobenen Bucht hat und er findet-nichts. Alle seine neuen Freunde, die fast schon wieder die alten sind, weil er sie, wir sind am Ende des Romans, verlassen muß, feiern mit ihm diese spektakuläre Aktion. Ja, ja, Wege sind wichtiger als Ergebnisse. Und die Ergebnisse, die Jorgensen recherchiert, läßt er in jener Standuhr verschwinden, die ihm die Geheimnisse preisgab.
Wir erfahren nicht viel von Jorgensen, trotz der detailfreudigen Darstellung z.B. seines Arbeitstisches. Wir wissen wenig über seine Freundin in Kopenhagen, wissen nicht, wie er seinen Vorgesetzten einschätzt, er ist so da, wie wir uns an Naja-Tagen fühlen. Die Brüder Precht lassen immer mal wieder eine Fährte aufblitzen, lenken uns in Verdächtigungen, so wie ein Krimiautor eben mit dem Mißtrauen spielt. Das alles endet, wie gesagt, im Nichts.
Sicher, ein Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen, Betrachtungen, ist Teilprodukt der Summe der Erfahrungen und Betrachtungen anderer und, wenn aufgeschrieben, auch noch Objekt der Betrachtung und Erfahrungsmacher für den Leser. Und die Prechts haben außer der story ein Anliegen, ganz bestimmt, das zeigen sie in den philosophischen Ausschweifungen auch ganz deutlich. Mir wäre ein Buch mit “hier kommt Philosophie anhand von Geschichten verdeutlicht und eindringlich erlebbar gemacht” lieber gewesen. Was der Richard David dann ja in seinen darauffolgenden Büchern auch getan hat.
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