irene nemirovsky - der ball

In: novelle

27 Mär 2009

Gelesen in einer Nacht und dem darauffolgendem Morgen.

Nachdem mir meine Buchhändlerinnen der Bücherei Moltzen drei mal Nemirovsky empfohlen haben, endlich ein Kauf. Und eine Enttäuschung.

Von einer Novelle erwarte ich mehr Aufruhr, Erzählung wär wohl das angemessenere Wort für dieses Druckerzeugnis. Die Charaktere bleiben flach, Schlaglicht bekommen sie schon, aber keine Ausleuchtung. Sie sind auf ein paar Gefühle reduziert- prägnant, würde der Liebhaber sagen. Allein, es fehlt die Möglichkeit sich Weiteres bei den Personen vorstellen zu können. Sie öffnen keinen Projektionsraum, laden nicht zum Sinnieren ein.

Um was gehts: Ein pubertierendes Mädchen in einer aufstrebenden jüdischen Familie in Paris 1930. Die Eltern wollen eine dicke Party steigen lassen, die erste, die ihr gesellschaftliches Ansehen vorantreiben soll. Man lädt alles ein, was man jemals kennengelernt hat, auch Leute mit zweifelhafter Reputation. Antoinette, unsere junge Heldin, schreibt unter elterlichem Druck die Einladungskarten. Dabei wird klar, dass sie selbst auf dieser Party höchst unerwünscht ist. Ab in die Kammer mit dem Kind, im Kinderzimmer läßt sich prima die Bar aufbauen. Gehässigkeit pur.

Sie wird von ihrer mit der Versendung beauftragten Gouvernante dazu verdonnert, die Kartenin den Briefkasten zu werfen, die Gouvernante hat mit ihrem Rendezvous genug zu tun, nicht ganz so gehässig, aber eben doch nach dem Radfahrerprinzip. Gibt Antoinette die erste Einladung der schrulligen Klavierlehrerin noch in die Hand, die ist doof, kennt aber so viele und soll, so denken die Eltern, mal schön rumerzählen in ihren Kreisen, wie herrlich die Party war. Nimmt die Kleine die Karten, ganz Wut und Trotz, und schmeißt sie in die Seine. Ab in den Fluß damit, die Eltern warten am Ballabend vergeblich auf Gäste.

Nur die olle Klavierlehrerin kommt, und die erzählt jetzt bestimmt nichts Gutes rum.

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